Klassische Präventionsansätze

Das glaubten wir zu wissen… Allergenvermeidung

In den frühen siebziger Jahren wurde eine allergische Immunantwort als unausweichliche Folge einer IgE-Sensibilisierung angesehen. In den achtziger und neunziger Jahren wurde die Allergenvermeidung als „Allheilmittel“ propagiert. Ein sauberes Klima, das Vermeiden von Haustieren, das Verwenden allergenfreier synthetischer Bettdecken (anstatt Federbetten) und das verlängerte Stillen galten als gesicherte Präventionsempfehlungen.

Heute wissen wir, dass auf eine Sensibilisierung nicht zwangsläufig eine allergische Reaktion folgen muss. Auch die Allergenvermeidung und entsprechende Präventionsempfehlungen lassen sich nicht mehr aufrechthalten. Nach dem innerdeutschen Mauerfall zeigten sich mehr Allergien im Westen als bei den hygienisch höher belasteten Menschen im Osten.  Die "Hygienehypothese" wurde auch durch die neueren Studien zum Leben auf dem Bauernhof gestützt. Aus heutiger Sicht wird eine saubere Umgebung in der Kindheit Allergien eher fördern als hemmen.

Auch das Vermeiden von Haustieren wurde generell empfohlen. Nach dem Konsensuspapier des Aktionsbündnisses Allergieprävention (ABAP) von 2004 werden aktuell Hunde empfohlen und von Katzen wird eher abgeraten. Jedoch haben Studien belegt, dass frühe Kontakte zu Haustieren Allergien verhindern können.

Als überholt gilt auch, dass Federbettwäsche Allergien fördern und synthetische Bettwäsche diese verhindern würde. Tatsächlich scheinen Federfüllungen in der frühen Kindheit zu weniger Asthma und synthetische Decken zu mehr Asthma zu führen. Stillen wird nach wie vor empfohlen und dürfte atopische Erkrankungen verringern. Aber auch hier gibt es widersprüchliche Studien. Jedoch scheint das Stillen über einen Zeitraum von vier bis sechs Monaten angemessen (ABAP, Frankfurter Thesen 2004) und empfehlenswert.

Psychoallergologische Prävention

Primärpräventive Ziele:
1. Ressourcenaufbau, damit psychische/soziale Gewinne überflüssig werden

    Psychosoziale Disposition verringern (insbesondere Stressreaktionen und Stimmung optimieren, Kompetenz statt Hilflosigkeit, Emotionsmanagement)
    Wahrnehmungs- und Denkgewohnheiten erweitern (Umweltkonzept, Problemorientierung/Lösungsorientierung, negative Selbstsuggestionen korrigieren, etc.)

2. Direkt auf Allergien gerichtete Interventionen der Primärprävention

    Angemessene Hygiene (d. h. z. B.: Händewaschen, aber keine Desinfektion), angemessener, freundlicher Kontakt zu Haustieren
    Angemessene emotionale Reaktionen auf Umweltbedingungen (statt Bedrohung, Pollenängste…)
    Modelllernen bei Gesunden, statt bei (elterlichen…) Modellen für allergische Reaktionen
    Vermittlung eines Allergiemodells, das den Widerstand gegen suggestive Botschaften aus der Werbung und von Fachleuten erhöht
    Statt Vermeidungsstrategien angemessene Schutz- und Bewältigungsstrategien entwickeln und auf reale Risiken beschränken
     

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